Metallwerk Elektra

Metallwerk Elektra GmbH

Jürgen Woelke, „Kapital war nötig“ (Zusammenfassung)

  • 1899 gibt Richard Siebel seine Spinnerei auf und verkauft an den Nachbarn Ernst Heinrich Pickhardt. Dieser führt die Textilfabrik nicht weiter, sondern nutzt die Räume für ein zweites Standbein neben der Textilbranche (wie 20 Jahre zuvor mit der Tapetenfabrik).

  • Gemeinsam mit Schwager Rudolf Siebert, dessen Bruder Adolf und dem Lüdenscheider Elektrofachmann Fritz Brockhaus gründet er das Metallwerk Elektra. In Gummersbach brannte zwar seit rund zehn Jahren elektrisches Licht, im übrigen Oberberg herrschte noch die Petroleumlampe.

  • Hergestellt werden Fassungen, Schalenhalter und Schalter aus Metall für die Elektroindustrie; das Werk ist die erste Fabrik der später bedeutenden oberbergischen Elektroindustrie.

  • Fritz Brockhaus, der eigentliche Leiter der Elektra, wird durch Heirat Schwiegersohn von Ernst Heinrich Pickhardt.

  • 1914 rund 250 Arbeiter. 1917 brennt das Werk fast ganz ab, der Gründer kommt dabei ums Leben. Erst 1925 wird mit 180 Mitarbeitern die Produktion wieder aufgenommen. Es geht weiter bis 1974; dann übernimmt die benachbarte Tapetenfabrik Pickhardt & Siebert den Komplex.

Zur Geschichte der Elektra

Weitere Unterlagen über die Elektra sind kaum zu finden.

Am 13. Dezember 1913 erschien in der Waldbröler Zeitung ein Artikel: Ende November 1913 wurde beim Metallwerk Elektra mit dem Bau der elektrischen Straßenbahn nach Niederseßmar-Derschlag begonnen (Aufnahmen: Gunter Franken).

Elektra produzierte und exportierte bis 1939 ausschließlich für den Südamerikanische Markt (Argentinien) Elektroapparate und Installationsmaterial. Durch die Boykottmaßnahmen im Ausland brach der Export zusammen. Der Betrieb wurde 1939 in die Rüstungsindustrie eingeschaltet (bhb) und 1942 von der GmbH in eine OHG umgewandelt. Dabei beschäftigte sich Elektra im wesentlichen mit der Herstellung von elektrischen Apparate und ähnlichem. Nachdem Krieg fing man mit bescheidenen Mittel, vornehmlich mit der Herstellung von Installationsmaterial (Bakelitschaltern etc.). Die Firma wurdde umbenannt in Metallwerk Elektra, Siebert&Brockhaus KG. Insgesamt konnte kein richtige Fertigung auf die Beine gebracht werden. In den 1974 Jahren ist Elektra in Konkurs gegangen.

Ein wichtiges Patent vom Metallwerk Werk Elektra habe ich gefunden. Der Blinker. "Fahrtrichtungsanzeigevorrichtung fuer Fahr- und Motorraeder" von 1939/1941 (Bild: espacenetDocument.jpg)

Foto: Fritz Brockhaus gründet mit Ernst Heinrich Pickhardt das "Metallwerk Elektra". / Firma wurde durch einen Brand 1917 zerstört und wieder aufgebaut

Kuriosität im Netz

Eine Art-Deco-Taschenuhr (Schweizer Werk, Silber, 1929), angeboten im Netz, trägt die Widmung zum 25-jährigen Firmenjubiläum des Metallwerks Elektra 1929.

Ein dunkles Kapitel

Ein dunkles Thema in der Geschichte der Firma ist die Tatsache, dass das Metallwerk Elektra im 2. Weltkrieg, wie viele andere Unternehmen im Oberbergischen Kreis, unter anderem Zwangsarbeiterinnen aus der Ukraine und italienische Kriegsgefangene beschäftigt hatte.

Weitere Informationen: Zwangsarbeit im Oberbergischen (oberberg-ist-bunt.org/Zwangsarbeit/ZwangsarbeitOberberg.html) und Dokument der Arolsen Archives (collections.arolsen-archives.org/de/document/82420984).